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Sonntag, 10. Juni 2018

Let's talk about #3: Rock am Ring und Deutschrap

"Aus Rock am Ring wird echt noch Rap am Ring. Finde es traurig, dass sich unsere geliebten Rocker und Metaller die Bühne mit so einem teilen müssen.."


1.-3. Juni 2018. Auch in diesem Jahr ereignete sich eines der größten Festivals in Deutschland und in ganz Europa wie gewohnt am ersten Wochenende im Juni - Rock am Ring. Nachdem das Festival erst im vergangenen Jahr an  den Nürburgring, seinem ursprünglichen Austragungsort, nach zwei Ausgaben im benachbarten Mendig, zurückkehrte, führte mich mein Weg nun erstmalig in die Vulkaneifel. Neben rund 70.000 Feierwütigen zierten über 75 Live-Acts das diesjährige Line-Up von Rock am Ring und seinem Zwillingsfestival in Nürnberg. 

Wo auf der einen Seite großes Lob für die Vielfalt an hochkarätigen Bands geäußert wurde, wurde die Kritik auf der anderen Seite erneut lauter. Die fortschreitende Kommerzialisierung habe Rock am Ring vollständig in ihren Händen. Nicht zuletzt begründet durch die angeblich stetig steigende Anzahl an Rap- und Hip-Hop Shows, dessen Slots manch einer augenscheinlich gerne aus dem Programm jeglicher Stages streichen würde. Vor einigen Jahren stand sogar ein reiner Hip-Hop Tag auf der kleinsten Bühne des Festivals im Raum. Systematische Isolation der bedeutsamsten Jugendkultur der heutigen Zeit als Lösung, verstehe. Andere wiederum störe es nicht, wenn Rapper samt Live-Band auf der Bühne stehen und die Menge zum Toben bringen, jedenfalls anstatt ihre Instrumentals bloß im Hintergrund abzuspielen. Allerdings gehe das Festival definitiv immer mehr in Richtung Mainstream und würde einem das gewisse Feeling eines Rock-Festivals nehmen, bestätigen mir treue Ring-Fans im Interview. 

Die betroffenen Artists selbst, dessen Auftritte im Endeffekt großen Andrang fanden, nahmen die Kritik mit Humor. Allen voran Casper. Er spielte am Rock am Ring Freitag als Co-Headliner neben Thirty Seconds to Mars auf der Volcano Stage. Einige Tage zuvor wurde er mit folgendem Tweet konfrontiert: 

"Aus Rock am Ring wird echt noch Rap am Ring. Finde es traurig, dass sich unsere geliebten Rocker und Metaller die Bühne mit so einem teilen müssen.." 

Darin sah nicht nur Casper enormes Meme-Potenzial und verkaufte prompt streng limitierte Rock am Ring sowie Rock im Park Shirts mit eben diesem Tweet auf den beiden Festivals. (siehe Bild)

Nun, da wäre also die Sicht treuer Ring-Rocker und diese der Rapper, wie sieht es aber konkret aus?  Übernimmt das Hip-Hop Genre wirklich das Kult-Festival? Nein. Lediglich 13% aller Acts des diesjährigen Line-Ups waren tatsächlich Rapper. Dazu kommen 5% aller Bands, dessen Musikstil unter anderem Einflüsse des Hip-Hop Genres aufweisen. Ein Beispiel dafür wäre unter anderem die kalifornische Gruppe Hollywood Undead. Ihr Stil wird als Fusion zwischen Hip-Hop und Metal beschrieben. In Zahlen liest sich das Ganze übrigens wie folgt: Verhältnismäßig unbedeutende zehn Rap-Artists sowie vier Bands mit Einflüssen aus besagtem Genre. Und das von insgesamt mehr als 75 Live-Acts. Über diesen kleinen Anteil regen sich gerade also ernsthaft alle auf? Zum Vergleich: etwa 40% aller Bands gehörten in diesem Jahr dem Rock-Genre an, weitere 30% machten das Metal-Jargon aus und behielten damit ganz offensichtlich die Oberhand.

Egal mit welcher Intention man allerdings zum Ring fährt, in einem Punkt sind sich viele einig: dass Rock am Ring offensichtlich aus allem Profit schlagen möchte ist bedauerlich. Als Vergleich wird oftmals das Wacken Open Air herangezogen. Dort erhalte jeder Besucher beispielsweise zu Beginn ein Päckchen mit Pflastern und Regencape, hieß es im Interview. Trotzdem, und was mir persönlich besonders während meiner Zeit bei Rock am Ring aufgefallen ist: Das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Mentalität auf dem gesamten Ring ist definitiv einzigartig. Und das trotz Camping Kategorien, die mittlerweile von 50 Euro bis hin zu 500 Euro auseinandergehen und mancherlei es bevorzugt die Headliner auf einer verhassten Tribüne anzusehen..

Insofern, we salute you!
#teamrar2018!
get home save!
see you in 2019..!

-Annika







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